Canyonwandern

Wasser in der Wüste

Liebe Freunde des amerikanischen Südwestens,

"Wasser in der Wüste" ist ein ganz besonders faszinierendes Thema, begegnen wir doch auf Schritt und Tritt den Spuren, die das abfließende Wasser in Form von Canyons und anderen Erosionsformen hinterlassen hat. Auch nach wochenlanger, wenn nicht gar monatelanger Trockenheit kann man in tiefen, schattigen Canyons und Potholes noch letzte Wasserreste finden. Und manchmal wird man auch selber vom Wasser in der Wüste überrascht. Auf einer Wanderung in den Coyote Buttes hörte ich einmal kurz nach einem kräftigen Schauer ein seltsames Geräusch. Es dauerte einen Moment, bis ich die Ursache dafür gefunden hatte: Von einem senkrechten Felsabhang stürzte ein Wasserfall ca. 20 Meter in die Tiefe. Leider war das spektakuläre Schauspiel schon nach wenigen Minuten wieder zu Ende.

Wasser ist aber auch das, was wir bei unseren Wüstenwanderungen im trocken heißen Klima des amerikanischen Südwestens nötiger brauchen als alles andere. Und trotzdem wird der Bedarf an Wasser fast immer unterschätzt. Manchmal passiert das sogar erfahrenen "Wüstenfüchsen".
Eine überaus eindrucksvolle Schilderung von einem, der dem Tod durch Verdursten nur um Haaresbreite entging, findet sich in: Ladislaus E. Almasy, Schwimmer in der Wüste, dtv 12613, 3. Auflage, München 2001, S. 201 ff. Almasy war einer der Pioniere, die in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die libysche Wüste erforschten. Zu seinen größten Leistungen zählt die Wiederentdeckung der verschollen geglaubten Oase Zarzura. Der Titel des Buches erklärt sich durch in der Nähe (ebenfalls von Almasy) aufgefundene prähistorische Felszeichnungen, die schwimmende Menschen zeigen.




Doch zurück zum Colorado Plateau. Wie wir gesehen haben, tun wir gut daran, viel Wasser auf unsere Wanderungen mitzunehmen. Doch wieviel ist "viel"? Nun, ein ganzes Bündel von Faktoren beeinflußt den Wasserbedarf: Temperatur, Distanz, Bodenbeschaffenheit, Steigung, persönliche Veranlagung usw. Ich selbst bin im amerikanischen Südwesten meist Ende April Anfang Mai unterwegs, lasse mich am Trailhead noch einmal vollaufen wie ein Kamel und packe für Tagestouren 2,5-3l Wasser ein. In den wirklich heißen Sommermonaten wäre wohl das doppelte oder sogar dreifache dieser Menge nötig, doch sollte man in diese Zeit sowieso besser keinen Wanderurlaub legen.
Für die schnelle Resorption des Wassers im Dünndarm ist vor allem eine ausreichende Elektrolytversorgung (Natrium) notwendig. Man sollte daher auch das Essen nicht vergessen.

Mehrtägige Treckingtouren stellen uns vor ein neues Problem: Wir müssen nach Wasser suchen. So ist beispielsweise das Wasser des Paria Rivers durch die hohe Salzfracht ungenießbar und bei der Wanderung durch den Paria Canyon ist man daher auf Quellen angewiesen. Zum Glück hat das BLM für diesen großartigen Canyon eine sehr praktische Karte herausgegeben, in der alle ganzjährig aktiven Quellen (z.B. Big Spring und Shower Spring) und auch einige, die man vielleicht besser als "Sickerstellen" bezeichnen sollte, verzeichnet sind. Selbst eine "Last Reliable Spring" gibt es. Das Problem besteht nun eigentlich nur noch darin, stets zu wissen, wo im Canyon man sich gerade befindet. Der Empfang von GPS-Signalen ist in engen Schluchten bekanntlich nur sehr selten möglich. Ein guter Hinweis auf Quellen sind aber dichte Vegetation und Moos an den Felswänden. Feuchte Felswände sehen zudem deutlich dunkler aus als trockene.
In offenem Gelände wird man häufig, wohl oder übel, mit stehendem Wasser vorliebnehmen müssen. Dann heißt es, einen Wash nach Potholes oder ein Plateau nach Wasserlachen absuchen.




Natürlich nimmt man nur klares, farbloses Wasser, in dem sich keine Pflanzenreste befinden.
Sichtbare Verunreinigungen im Wasser kann man z.B. dadurch beseitigen, daß man es durch ein einfaches Teefilter gießt. Aber auch völlig klares und geruchloses Wasser kann Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Einzeller) enthalten. Wir müssen daher das Wasser erst trinkbar machen. Eine einfache und sehr sichere Methode zur Wasserentkeimung ist Abkochen. Unterschiedliche Angaben findet man darüber, wie lange man das Wasser am Sieden halten muß. Ich mache es seit vielen Jahren so, daß ich das Wasser zum Kochen bringe, dann den Brenner für ca. fünf Minuten ausstelle (um Brennstoff zu sparen) und schließlich noch einmal zum Sieden erhitze. Zur Sicherheit habe ich aber immer auch ein Mittel zur chemischen Wasserentkeimung oder einen Keramikfilter im Rucksack.

Zum Schluß möchte ich Euch noch auf zwei sehr interessante Bücher zu diesem Thema aufmerksam machen:
Craig Childs: Der Wasserkartograf. Unterwegs im Südwesten der USA. Frederking & Thaler Verlag. Der englische Originaltitel heißt: "The Secret Knowledge of Water. Discovering the Essence of the American Desert."
Wilfred Thesiger: Die Brunnen der Wüste. Pieper Verlag, München, 6. Auflage, 2002.



Ich wünsche Euch allen viel Spaß beim Wandern mit immer genügend Trinkwasser!

Peter Felix Schäfer (www.canyonwandern.de)